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NACHRUF ZUM MUTTERTAG

Frauenliste fordert zum Internationalen Tag für Familie:

Mehr Anerkennung der Fürsorgearbeit

Trotz 50 Jahre Gleichberechtigung von Mann und Frau, trotz Muttertag, trotz einem internationalen Tag für Familie (15.5.2007) und den überall - demnächst auch in Wiesloch-Walldorf - wie Pilzen aus dem Boden schießenden Lokalen Bündnissen für Familie fehlt es massiv an der erforderlichen Anerkennung von Familien- und Fürsorgearbeit, die hauptsächlich immer noch von Frauen verrichtet wird. Es fehlt an der angemessenen Entlohnung für erbrachte Arbeit. Armut in Deutschland ist immer noch weiblich.

Die Frauenliste Wiesloch fordert deshalb eine Neudefinition des Arbeitsbegriffs, um die Grenzen zwischen Produktion und Reproduktion neu zu bestimmen, also zwischen Erwerbs- und privater Fürsorgearbeit. „Von Arbeit muss Mann nicht nur leben können. Von Arbeit muss Frau auch leben können!“, ist die Devise der Gemeinderätin Karin Becker.

In den privaten Haushalten der Bundesrepublik Deutschland wurde im Jahre 2001 ein Gesamtvolumen an 96 Mrd. Stunden unbezahlter Arbeit geleistet, d.h. das 1,7 fache an Zeit im Vergleich zu insgesamt 56 Mrd. Stunden Erwerbsarbeit (Statistisches Bundesamt/BMFSFJ 2003). Diese Relation verdeutlicht, dass es sich bei Familien-Arbeit, die zum einen sachbezogene Hausarbeit und zum anderen personenbezogene Fürsorgearbeit für bedürftige Angehörige unterschiedlichen Alters umfasst, nicht um eine vernachlässigbare Restgröße handelt. Vielmehr ist sie Bestandteil gesellschaftlich notwendiger Arbeit, ohne den auch moderne westliche Gesellschaften nicht überlebensfähig wären. „Familienarbeit wurde laut dem 7. Familienbericht in den letzten hundert Jahren zunehmend zur "dienenden Hintergrundarbeit" und strukturell den Frauen und Müttern zugewiesen“, so die Frauenlisten-Vertreterin Becker.

Karin Becker unterstützt deshalb die nachstehende Forderung von Wiltraud Beckenbach, Ansprechpartnerin für Eherecht beim Verband der Familienfrauen und -männer e.V., veröffentlicht in "Familienarbeit heute 2/07:


Statt Rosen: Leistungsgerechte Bezahlung für Mütter und Väter

Die "Erfinderin" des Muttertages war die Amerikanerin Ann Jarvis. Die Idee dazu hatte sie 1905 nach dem Tod ihrer Mutter. Bereits 1907 wurde er in Virginia und Philadelphia als Ehrentag für alle Mütter gefeiert. 1914 - am Vorabend des Ersten Weltkrieges - erklärte der amerikanische Präsident Wilson den zweiten Sonntag im Mai zum Feiertag.

Wegen der schnell um sich greifenden Kommerzialisierung des Muttertages versuchte Ann Jarvis bis zu ihrem Tod gerichtlich dagegen vorzugehen. Es war vergeblich. Sie starb arm und erblindet in einem Heim, welches pikanterweise gerade vom Blumenhandel, der Branche, gegen die sie immer gekämpft hatte, finanziert wurde.

In Deutschland wurde der Muttertag am 13. Mai 1923 eingeführt. Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass der damalige Initiator - ein gewisser Rudolf Knauer - Vorsitzender des Verbandes der Blumenhändler war. Er hatte mit sicherem Instinkt erkannt, was heute noch Gültigkeit besitzt: Der Muttertag ist der Tag der Blumensträuße, Cremetorten und Parfümfläschchen.

Ich persönlich sehe die Vermarktung des Muttertages mit Ärger und kann den Widerstand von Ann Jarvis gut verstehen. Wer das ganze Jahr über - und hier schließe ich vor allem unsere Politikerinnen und Politiker mit ein - die Leistung der Mütter nicht wahrnimmt, sollte das an diesem Tag auch nicht tun. Solch ein Muttertag ist eine überflüssige Alibiveranstaltung zur Beruhigung des schlechten Gewissens. Mit einem 20-Euro-Strauß gelte ich nicht die unzähligen Arbeitsstunden in der Familie ab. Wer dagegen das ganze Jahr über den Wert dieser Arbeit - ein Wert für die gesamte Gesellschaft - vor Augen hat, braucht keinen Muttertag. Er oder sie wird sich dann dafür einsetzen, dass Erziehungsarbeit der Erwerbsarbeit gleichgestellt wird und Mütter bzw. Väter endlich eine leistungsgerechte Bezahlung erhalten, bzw. im Alter ausreichend versorgt sind. Freilich kostet dasmehr als einen Blumenstrauß.“